Eine Energiegemeinschaft beginnt mit einer klaren Projektbeschreibung: Wer möchte Strom erzeugen oder nutzen, welche Zählpunkte kommen infrage und wer übernimmt die Organisation? Schreiben Sie diese Fragen auf, bevor Sie Anlagen bestellen oder Teilnahmebedingungen vereinbaren. Eine neue PV-Anlage und eine Gemeinschaft sind zwei Vorhaben mit eigenen Kosten und Verantwortlichkeiten.
Quellenstand: 9. Oktober 2026. Seit dem 1. Oktober gelten neue Bürgerenergie-Bestimmungen des ElWG. Diese Anleitung hilft bei der Vorbereitung und verweist für die konkrete Umsetzung auf die österreichische Koordinationsstelle und Ihren Netzbetreiber.
Zuerst das passende Modell auswählen
Die Modellübersicht der Koordinationsstelle unterscheidet Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) und Bürgerenergiegemeinschaften (BEG). Beide benötigen eine Rechtsperson, etwa einen Verein oder eine Genossenschaft. Großunternehmen können an BEG teilnehmen, an EEG nicht. Prüfen Sie deshalb Teilnehmerkreis und Zielmodell gemeinsam.
Beschreiben Sie zunächst Ihr tatsächliches Ziel. Soll eine vorhandene Dachanlage mehrere Nachbarn versorgen? Soll eine neue gemeinschaftliche Anlage finanziert werden? Oder suchen einzelne Haushalte eine bestehende Gemeinschaft zum Beitritt? Eine eigene Gründung ist nicht in jedem Fall der sinnvollste erste Schritt. Stellen Sie dem ausgewählten Modell eine Liste der gewünschten Teilnehmer und vorhandenen Anlagen gegenüber.
Den Umsetzungsstand im Oktober berücksichtigen
Nach den veröffentlichten Übergangsinformationen können die neuen Möglichkeiten seit 5. Oktober vorübergehend nur mit Zählpunkten beim selben Netzbetreiber umgesetzt werden. Die Ausweitung über mehrere Netzgebiete wird für April 2027 erwartet. Die angekündigte Erweiterung reduzierter Netzentgelte hängt von der neuen Verordnung ab; bis Ende 2026 sind weiterhin die bestehenden Vergünstigungen lokaler beziehungsweise regionaler EEG maßgeblich.
Für ein geplantes Projekt heißt das: Fragen Sie Ihren Netzbetreiber nach den aktuell verfügbaren Prozessen für die konkrete Zählpunktliste. Legen Sie Ihrer Wirtschaftlichkeitsrechnung die tatsächlich anwendbaren Konditionen zugrunde. Eine angekündigte spätere Funktion sollte als eigener Planungsschritt erscheinen und nicht als bereits verfügbare Leistung im Vertrag.
Eine gemeinsame Teilnehmer- und Aufgabenliste erstellen
| Bereich | Unterlagen für das erste Gespräch | Zu klärende Aufgabe |
|---|---|---|
| Teilnehmer | Kontakt, Rolle und gewünschter Umfang | Beitritt, Vertretung und Änderungen verwalten |
| Zählpunkte | Offizielle Bezeichnungen und Netzbetreiber | Technische Teilnahme und Messung prüfen |
| Erzeugung | Anlagenunterlagen und verfügbare Erzeugungsdaten | Eigentum, Betrieb und verbleibende Einspeisung zuordnen |
| Verbrauch | Verbrauchsdaten und typische Nutzungszeiten | Mögliche Nutzung ohne pauschale Abnahmeversprechen beurteilen |
| Organisation | Gewünschte Eigenleistungen und Angebote von Dienstleistern | Abrechnung, Datenzugang und laufende Kosten vereinbaren |
Ein Zählpunkt bezeichnet eine Messstelle; eine Person oder ein Gebäude kann mehrere relevante Messstellen haben. Übernehmen Sie die Angaben aus den Netzunterlagen und lassen Sie fehlende Zuordnungen bestätigen. Halten Sie fest, wer Unterlagen einreicht und wer Rückfragen des Netzbetreibers bearbeitet. So bleibt nachvollziehbar, welche Teilnehmer bereits geprüft wurden und welche Entscheidung noch offen ist.
Verträge und laufende Pflichten vorbereiten
Die ElWG-FAQ beschreibt, dass bei Überschreitung bestimmter Schwellenwerte Lieferantenverpflichtungen für aktive Kunden und Energiegemeinschaften hinzukommen. Für die konkrete Gemeinschaft sollten diese Pflichten und ihre Erfüllung anhand von Erzeugungsleistung, Teilnehmerkreis und Vertragsmodell geprüft werden.
Lassen Sie Kosten und Zuständigkeiten schriftlich erklären. Wer legt Preise fest, wer erstellt Rechnungen und wer kann Daten einsehen? Welche Beiträge entstehen unabhängig von der tatsächlich zugewiesenen Strommenge? Wer übernimmt Meldungen bei einem Teilnehmerwechsel oder einer zusätzlichen Anlage? Vereinbaren Sie diese Aufgaben mit der Gemeinschaft oder dem beauftragten Dienstleister.
Planen Sie auch den gewöhnlichen Betrieb: Bewahren Sie Verträge, Teilnehmerdaten und Abrechnungsunterlagen geordnet auf. Stellen Sie sicher, dass die Organisation bei einem Wechsel der betreuenden Person weiterhin Zugriff auf ihre Unterlagen hat. Fragen Sie, welche Berichte Sie regelmäßig erhalten und wie nachvollziehbare Korrekturen einer Abrechnung bearbeitet werden.
Die PV-Anlage als eigenen Auftrag vergleichen
Wenn eine neue Anlage errichtet werden soll, beschreiben Sie Dach, Verbrauch, Eigentumsverhältnisse und geplanten Betrieb. Lassen Sie Material, Montage, Elektroarbeiten, Netzabwicklung und Übergabe getrennt ausweisen. Prüfen Sie mögliche Förderungen gesondert; die Gründung einer Gemeinschaft ist keine automatische Förderzusage.
Nutzen Sie unsere Checkliste zum PV-Angebotsvergleich, um mehrere technische Angebote auf denselben Umfang zu beziehen. Den Unterschied zwischen eigener Nutzung, Gemeinschaft und Förderung erklärt der Ratgeber EEG und Marktprämie. Für die Anlagenplanung können Sie eine kostenlose Projektanfrage starten.



